Frankfurter Rundschau vom 1.10.2020 – Weiterleitung zum Artikel bitte anklicken


 

 

Sie ist keine Schönheit. Kein niedliches Küken. Sie hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist nun am Ende. Am Ende ihrer Straßentaubenkarriere.
Ein Flügel gebrochen, stark unterernährt, mehrere alte Wunden, ein Fuß steht schief, wohl ein alter Bruch.
Sie hat sicher viel erlebt beim Laufen durch die Straßen, immer auf der Suche nach etwas Essbaren, dessen Kalorien sie durch ständiges auffliegen müssen schon verbraucht hatte, noch bevor sie es aufnehnen konnte.
Jetzt war ihr Weg zu Ende. In einer Ecke in der Frankfurter Hölderlinstraße.
Sie ist kein „süßes“ Küken, keine Brieftaube, keine Zuchttaube. Sie ist eine stinknormale Straßentaube, die zu leiden hat unter Fehlinformationen der Gesellschaft und Ignoranz der Kommunen.
Sie ist ein Opfer von Vorurteilen und Speziezismus.
Ihr körperliches Leiden erwächst daraus.
Sie wird bei uns einen Platz finden, um in Ruhe den Rest ihres Lebens zu verbringen.
Sie ist eine der namenlosen Tauben auf unseren Straßen, deren Schicksal uns immer wieder antreibt weiterzumachen, trotz aller Schwierigkeiten.


Artikel vom 30.07.2020 – Weiterleitung zum Artikel: bitte anklicken